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Ein Blick in mehr als 100 Jahre Geschichte

 

Am Anfang ist das Singen Männersache

 

Der Männergesangverein 1891, ein Vorläufer der SVG-Chöre, bei der Fahnenweihe im Jahr 1898 vor der „Neuen Schule“ (heute altes Rathaus). Foto: SVG-Archiv


Die Geschichte des Chorgesangs in Nieder-Liebersbach ist ohne Zweifel älter als die heutige SVG. Ein Männergesangverein wurde bereits kurz nach der 1848er Revolution gegründet, nämlich im Jahre 1849. Später ging dieser Verein offenbar in den Männergesangverein 1891 über. Die heutige Gesangsabteilung der SVG wurde allerdings erst 1925 gegründet.

In der Festschrift zum 100. Jubiläum der SVG im Jahre 1993 hat Dr. Hermann Schöler ausführlich die Geschichte des Gesangs in Nieder-Liebersbach beleuchtet. Deshalb soll dieser Teil der Historie an dieser Stelle nur kurz und knapp abgehandelt werden.


Franz Maurer hat 1975 zum 50. Jubiläum der Gesangsabteilung eine Chronik verfasst. Darin schreibt er unter anderem: „Nach dem Ersten Weltkrieg bestand in Nieder-Liebersbach kein Gesangverein mehr. (…) Im Kraft-Sport-Club 1911 wurde seinerzeit oft in froher Kameradschaft der Gesang des Volkslieds gepflegt, und man entschloß sich deshalb unter dem Vorsitzenden Simon Dietrich I eine Gesangsabteilung ins Leben zu rufen.“ Das passierte laut Maurer 1925, doch schriftliche Unterlagen gingen bei der Auflösung  des Vereins im Jahre 1933 verloren. Krieg und Nationalsozialismus unterbrachen den Chorgesang. Doch bereits einen Monat nach der Gründung der Sport- und Kulturgemeinde Nieder-Liebersbach im November 1945  beschloss der damalige Vorstand am 29. Dezember, im neuen Jahr wieder eine Gesangsabteilung zu gründen, wie es in der SVG-Chronik von 1993 heißt. In der Generalversammlung im Januar 1946 wählten die Mitglieder Christian Trautmann zum ersten Abteilungsleiter, fünf Monate später wurde er von Kurt Bergmann abgelöst.


Interessantes zur Geschichte hat auch Jakob Dietrich junior zusammengetragen. Seine Sängerchronik ist im Pokalschrank der SVG-Chöre im Alten Rathaus aufbewahrt. Darin schreibt er, dass sich der erwähnte Männergesangverein 1891 im Jahre 1898 eine Fahne leisten und deren Weihe feiern konnte. Der erste Fahnenträger war Simon Klein, der letzte Adam Arnold. Er hat die Fahne, wie Jakob Dietrich schreibt,  nach dem Zweiten Weltkrieg zum letzten Mal in Birkenau für die Gesangsabteilung der SVG getragen. Bis heute hängt sie im Fahnenschrank des Vereins. 


Dietrich zeigt die enge Verbindung des Männergesangvereins 1891 mit der späteren Gesangsabteilung auf. Denn deren Gründung im Jahr 1925 geht nach seinen Erkenntnissen auf Adam Emig, Johann Grünig, Adam Schmitt, Emil Helbig und Jakob Dietrich senior zurück: „Sie motivierten die Jugend, und so entstand die erste Gesangsabteilung.“ Jakob Dietrich senior war der einzige aktive Sänger, der in allen drei Vereinen gesungen hat. 1920 im Alter von 19 Jahren dem Männergesangverein 1891 beigetreten, erhielt er am 28. Oktober 1961 vom Deutschen Sängerbund den Ehrenbrief für „50 Jahre Dienst am Deutschen Lied“.

 

 

 

 

Vom Männerchor zum gemischten Chor

Über Jahrzehnte hinweg unterhält die Gesangsabteilung der SVG einen Männerchor. Und das, obwohl ganz zu Anfang durchaus gemischt gesungen wird. Das geht aus einem Plakat für den vermutlich ersten Liederabend nach dem Krieg am 14. Juli 1946 hervor. Damals treten ein gemischter Chor, ein Frauenchor und erst ganz zum Schluss ein Männerchor auf. Ein Foto aus dem Jahre 1952, vor dem Vereinslokal „Rose“ aufgenommen, zeigt dagegen einen reinen Männerchor mit fast 40 Aktiven.


Der Aufbruch in ein neues Zeitalter erfolgt dann 1980, fünf Jahre nach dem großen Jubiläum. Für eine Weihnachtsfeier bereitet der damalige Chorleiter als Programmpunkt den Auftritt eines gemischten Chores vor. Dazu probt er mehrere Lieder mit den Frauen der Sänger. Der Auftritt wird ein großartiger Erfolg, wie auch einem Artikel in der Odenwälder Zeitung zu entnehmen ist. Und er bildet zugleich der Anfang des gemischten Chors, der bis heute besteht.


Rückblickend darf man ohne Übertreibung sagen, dass damit der Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft gelegt wurde. Während sich der Bruderverein Sängerlust ausschließlich dem reinen Männergesang widmet, finden bei der SVG singende Frauen und Männer gleichermaßen eine musikalische Heimat. In den Folgejahren feiern sie gemeinsam viele Erfolge, erleben große Konzerte, erlebnisreiche Reisen und vor allem Gemeinschaft. Zeitweise sind bis zu 100 Männer und Frauen im Chor aktiv.

 

 

Die Sänger bei der Fasnacht

 

 

 

Die Riewezippel 1972 unter der Leitung von Franz Bauer (r.). Foto: privat


Wann die „Riewezippel“ zum ersten Mal auf die närrische Bühne gingen, lässt sich heute nicht mehr genau sagen. Es muss Anfang der Sechzigerjahre gewesen sein, damals noch im Saal der „Rose“. Der Vollblutmusiker Franz Bauer ruft die Gruppe mit Männern aus den Reihen der Gesangsabteilung ins Leben. Fast 40 Jahre lang sorgen die „Riewezippel“ in jeder Kampagne für musikalische Höhepunkte im Programm. Mit dem närrischen Hit „Humba, humba. tätära“  des unvergessenen Mainzer Fasnachters Ernst Neger soll es angefangen haben. Namen wie Günter Beck und Erich Jeck werden dabei genannt. „Schlof, Gemeinderat, schlof, auf der Woibergstroß grase die Schoof“, singen die Zippel, als es mit dem Bau der Straße im damaligen Neubaugebiet gar nicht vorangehen will. Und 1963 dient die Melodie von „In Mainz am schönen Rhein“ als Grundlage für eine erste Hymne der Narretei im Ort. Bis heute hat sich das Lied  “Die Liewerschbescher Riewelescher häwwe Fasnacht heit“ aus der Feder von Jakob Dietrich (Jockel de Ledschde) erhalten.  

     

„Der Hannes säigt zu der Marie: was ist dann heit blouß lous? Denn jeder Mensch, ob kloa, ob grouß, der rennt jo in die Rous“, so heißt es in der ersten Strophe. Fotokopierer gibt es damals noch nicht, und so werden die Liedtexte mit Matrizen vervielfältigt. Nach dem Umzug in die Sporthalle passt man den Text kurzerhand an: „Der Hannes säigt zu der Marie beim Melke in soim Stall (…) der rennt jo in die Hall.“ Auch Sinn fürs Praktische zeigen die singenden Fasnachter dabei durchaus: So drucken sie in einer Kampagne den Text auf Bäcker-Tüten. 

In den siebziger Jahren heißt es „Eine Singstund, die ist lustig“  und „Wir saßen im Café Ehret und hatten Hunger wie noch nie“. Neue Texte auf bekannte Melodien, das ist das Rezept der Zippel. Den Wirtschaftsnotstand im Deutschen Haus glossiert die Gruppe 1976 mit „Kriech ich en Wein?“ ebenso wie die Sperrung des Wegs zwischen Hemsbach und Balzenbach. Als Landstreicher betreten sie 1977 die närrische Bühne, besingen ihre „kleine Welt“. 1978 fordern Sie „Käthche, Käthche, noch einmal“. 1979 laufen sie als Fußballnationalmannschaft ein, loben statt Theodor den „Maier Sepp“ im Tor. Hans und Kurt Kohlmann, Georg Braml, Dieter Zaplatilek, Georg Kadel, Heinrich (Heiner) Schäfer, Gerold Winkler und Willi Gräber sind damals mit von der Partie, und die Odenwälder Zeitung lobt später die unvergleichliche Truppe und ihren genialen Alleskönner Franz Bauer. 


1980 wagen die Riewezippel erstmals ein Tänzchen auf der Bühne, 1983 stechen sie mit weltpolitischen Gedanken ins Narrenmeer. 1984 glossieren sie die Politik in Bund, Land und Gemeinde, beeinflusst von der Neuen Deutschen Welle („Herz ist Trumpf“). Auch die „Venus“ und ihre Zaungäste sowie der vermeintliche Beginn des B38a-Baus werden thematisiert. 1987 nehmen die Zippel das vorläufige Aus für das Hallenbad in Birkenau auf die Schippe. 1989 protestieren die Sänger gegen die Betonbrücke im Unterdorf (gemeint war die heutige Talbrücke zum Saukopftunnel). Mit dem Lied von „Tom Dooley“ nehmen die  Zippel 1990 den Geschäftsnotstand aufs Korn: „Klärchen“ (Edeka Sittinger), der Metzger Hannes (Florig), Kiosk und Deutsches Haus stehen vor dem Aus. In Frack und Zylinder gratulieren sie 1993 der SVG zum 100. Geburtstag und klagen: „Die EG macht alles teuer, man erhöht die Mehrwertsteuer.“ 1994 ist der Stillstand an der B38a-Baustelle wieder ein Thema: „Fährt a koa Auto durch des Loch, mehr feiern die Fasnacht doch.“ Mit einer Zugfahrt durch Europa verabschieden sich die Zippel 1995 von der Bühne. Der einzige Riewezippel, der der Fasnacht noch viele Jahre treu bleibt, ist Ehrenkappenträger Heiner Schäfer. Nach einem zweimaligen Intermezzo mit den Hintergasse-Buwe führt er später die Gesangsgruppe „Ruinos“ an. Ein Revival der „Riewezippel“ soll es zum Jubiläum „66 Jahre Riewelescher“ im Februar 2018 geben. 

 

 

 

Freundschaft mit Kidwelly in Wales

Das Wappen von Kidwelly in Wales erinnert bis heute an die Freundschaft, die bereits 1987 begründet wird. Damals besucht der gemischte Chor der SVG die Stadt mit rund 3000 Einwohnern. Wer dabei war, erzählt noch heute begeistert von der Gastfreundschaft des Festival-Chors. Es ist die Partnerschaft der Stadt Mannheim mit Swansea, die die ersten Kontakte anbahnt. Während eines Konzertbesuches in Laudenbach werden Adressen ausgetauscht, viele Briefe wechseln in der Folge zwischen beiden Seiten des Kanals. Es ist die Zeit vor Internet und E-Mails, als es noch Tage dauert, bis eine schriftliche Antwort kommt.


Im Oktober 1986 unternimmt der damalige Abteilungsleiter Reinhard Mechnig eine erste Reise nach Kidwelly. „Wir waren von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Waliser so begeistert, dass wir spontan beschlossen, schon 1987 Kidwelly mit dem gesamten Chor zu besuchen“, erklärt er 1988 im Interview mit der Odenwälder Zeitung. Den Gegenbesuch im Juni 1988 wertet er als „Demonstration der Aufrichtigkeit, Toleranz, Freundschaft und des Willens der Verständigung unter uns Europäern“. Bei einem fast zweistündigen Konzert in der katholischen Kirche St. Wendelin begeistern fast 100 Gäste unter der Leitung ihrer Dirigentin Cahterine Francis unter anderem mit dem walisischen „Nant Y Mynydd“ (Der Bergbach) und mit dem nahezu akzentfrei in deutscher Sprache vorgertragenen modernen Vaterunser. Bereits bei der Party zum Empgfang der Gäste i nder SVG-Halle geht es international zu. Gemeinsam singen Gastgeber und Gäste den „Welsh National Song“ und die deutsche Nationalhymne „Einigkeit und Recht und Freiheit“. 


1990 reisen erneut 80  Teilnehmer aus Nieder-Liebersbach zu den Freunden in Wales. Höhepunkt des Aufenthaltes wird ein Konzert in der St. Mary’s Church. Die Halle des fast 400 Jahre alten Gotteshauses ist überfüllt, als der Chor unter der Leitung von Manfred Bühler und mit den Solistinnen Astrid Braml und Felicitas Sommerfeld das Publikum begeistert. Danach wird es ruhig um die Freundschaft. Zwar gibt es immer wieder Kontakte, aber große Begegnungen kommen nicht mehr zustande. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine außergewöhnliche Herzlichkeit auf beiden Seiten und die Gewissheit, dass Musik die Menschen verbindet.

 

 

Der gemischte Chor beim Konzert in der St. Mary’s Church in Kidwelly/Wales. Foto: privat

 

 

 

Fast 1500 Sänger feiern das 75. Jubiläum mit

 

 

Der gemischte Chor im Februar 2000 im Dorfgemeinschaftshaus mit Chorleiterin Sonja Gedak. Bild: Borgenheimer

 

„Ist etwas so mächtig, die Herzen zu gewinnen, so ist es die Musik.“ Diese Worte aus dem Titel „Die Macht der Musik“ erklingen am Freitag, 28. April 2000, zum Auftakt beim Festkommers der Gesangsabteilung. Mit zahlreichen Gästen feiert der gemischte Chor der Sportvereinigung (SVG) mit mehr als 60 Aktiven in der vollbesetzten Sporthalle den Festkommers zum 75. Jubiläum. Die Musik sei mit das Interessanteste, was die Menschen ausüben könnten, stellt Abteilungsleiter Karl Werner in seiner kurzen Ansprache zur Begrüßung fest. Aus dem Lied zur Eröffnung zitiert er: „Wen die Musik erquickt, der hat schon ein wenig in Himmel geblickt.“ Dieser Satz sage eigentlich alles aus. Werner erinnert an die vielfältigen Aktivitäten der Gesangsabteilung in den vergangenen 75 Jahren. Unter der Leitung von Gerold Engelhard sei 1980 der gemischte Chor gegründet worden, der schon nach kurzer Zeit erstaunliche Erfolge erreicht habe, sagt Werner. Der gemischte Chor feiere also sein 20-jähriges Bestehen. 


Den Festkommers umrahmt der Jubelverein unter der Leitung von Sonja Gedak selbst. Neben der „Macht der Musik“ aus dem „Augsburger Tafelkonfekt“ singen die rund 60 Sänger „Wanderers Nachtlied“ mit einem Text von Goethe, das italienische Berglied „Béna calastoria“ und den modernen Titel „Conquest of Paradise“ von Vangelis, letzteres am Klavier begleitet von Volker Halblaub. 



„Singen entlastet die Seele.“

„Ein schönes Lied wischt den Staub von der Seele.“ Mit diesem Zitat umschreibt Landrat Norbert Hofmann ein Geheimnis des Chorgesangs. Beim Festkommers  sagt er weiter, Chorgesang sei nicht nur faszinierend, sondern erfülle auch wichtige soziale Funktionen und fördere beispielsweise die Rücksichtnahme auf Andere und ein gewisses Maß an Solidarität. Schließlich diene der Gesang im Chor auch der Gesunderhaltung. „Richtiges Atmen will gelernt sein“, sagt  Hofmann und betont, Singen stärke die Konzentration und entlaste die Seele.


„Die Musik spricht für sich allein.“

Der Erste Beigeordnete Alfred Kaufmann überbringt die Glückwünsche der Gemeinde Birkenau. 1925, mitten in der Weimarer Republik, sei der Chor gegründet worden. Man habe sich damals noch an den Ersten Weltkrieg erinnert. Kaufmann nennt drei Höhepunkte in der bisherigen Geschichte des Chors: das 50. Jubiläum im Jahre 1975, die Erweiterung zum gemischten Chor im Jahre 1980 und die Begründung freundschaftlicher Beziehungen zu Kidwelly in Wales 1987. Die Gemeinschaft bezeichnet Kaufmann als Zentrum eines musiktreibenden Vereins. Sie gebe dem Einzelnen Halt, sie bestärke ihn und zeige ihm, dass er gebraucht werde. Seine Ansprache schließt er mit Worten von Yehudi Menuhin: „Die Musik spricht für sich allein, vorausgesetzt wir geben ihr eine Chance.“


Georg Umhauer lobt Dirigentin Sonja Gedak

Fast 40 Gastvereine mit zusammen fast 1500 Sängern erweisen der SVG-Gesangsabteilung an jenem Wochenende im April die Ehre und gratulieren zum 75. Jubiläum. Beim Festkommers in der Sporthalle ist Georg Umhauer voll des Lobes für die Arbeit der neuen Dirigentin Sonja Gedak: „Ich bin erstaunt, wie Sie den Chor in dieser kurzen Zeit entwickelt haben.“ Der Ehrenvorsitzende des Sängerkreises Weschnitztal/Überwald erinnere an die Gründung des Chors in einer schwierigen Zeit, kurz nach der Inflation. Diese Situation habe die Aktiven zusammengeschweist und den Zusammenhalt gefördert. 



SVG ehrt Karl Werner und Kätha Geiß

Den Dank der SVG an die Gesangsabteilung überbringt der Stellvertretende Vorsitzende Heinz-Jürgen Weise. Das dreitägige Fest zum Jubiläum werde die ganze Ästhetik und Harmonie des Chorgesangs darbieten, zeigt er sich überzeugt. Zwei Mitglieder der Abteilung werden an diesem Abend besonders gewürdigt, Kätha Geiß und Vorsitzender Karl Werner. Geiß war nicht nur seit über 25 Jahren Mitglied im Verein, sondern mit 87 Jahren auch das älteste aktive Mitglied in einer SVG-Abteilung. Seit 1993 trage Werner Verantwortung in der Gesangsabteilung, zunächst als Stellvertretender Leiter und seit 1995 als Leiter. In dieser Zeit habe die Abteilung weiteren Aufschwung genommen, unter anderem durch den Konzertabend im Herbst. Kätha Geiß erhält die Ehrennadel in Silber, Karl Werner jene in Gold.



„Erfolg des Chores  geht nicht auf das Konto Zufall“

„In unserer dörflichen Kultur haben Musik und Gesang eine sehr wichtige Bedeutung. Kein bedeutendes öffentliches und privates Ereignis wäre ohne Musik und Gesang denkbar.“ Mit diesen Worten betont Ortsvorsteher Volker Buser die Bedeutung der Musik und würdigt zugleich die Arbeit der SVG-Gesangsabteilung. Seit 75 Jahren bemühe sie sich, das Liedgut in Nieder-Liebersbach zu pflegen und zu erhalten, Vereinsleben zu praktizieren in einer großen Vereinsfamilie, in der vielerlei Interessen und Strömungen vorherrschten.

„Wer mit der Musik anderen Menschen eine Freude bereiten kann, ist ein glücklicher Mensch.“


„Der Erfolg geht nicht auf das Konto Zufall“, macht Buser deutlich. Maßgeblichen Anteil am gesanglichen Wohlklang habe ganz besonders die Chorleiterin Sonja Gedak, „die seit nunmehr eineinhalb Jahren die dirigierende Lufthoheit über ihre Chormitglieder ausübt.“ Ihre fachlichen Qualitäten habe sie in dieser kurzen Zeit hinlänglich bewiesen, betont der Ortsvorsteher und fügt  hinzu: „Sie versteht es außerdem, mit Charme exzellent eine unbändige Begeisterungsfähigkeit bei jedem einzelnen Chormitglied zu wecken.“ 

 

 

 

Vom Schlachtfest zur Straußwirtschaft

 

Abteilungsleiter Reinhard Mechnig beim Schlachten auf einem Bauernhof. Foto: privat

 

 

„Für alles musste Geld beschafft werden“, blickt der frühere Abteilungsleiter Reinhard Mechnig in einer Schrift zum 90. Jubiläum zurück. Gastkünstler bei Konzerten, Chorleiter und Noten, das alles kostet. Mitgliedsbeiträge allein reichen dafür nicht aus. Also verbinden die Sänger das Angenehme mit dem Nützlichen und feiern. Grillfeste beim Ramser („Frische Quelle“), im Steinbruch Kadel oder auf dem Sportplatz sind nach Mechnigs Worten „sehr erfolgreich, gemütlich und rentabel“. Letzteres gilt auch für die Schlachtfeste. „Von 1983 bis 1990 wurden jedes Jahr zwei bis drei Schweine geschlachtet“, erinnert sich der langjährige Abteilungsleiter, dessen Garage anfangs als Wurstküche dient. 


Unvergessen ist auch die Sängerklause zur Kerwe im Hof der Familie Apfel. Von Jakob Dietrich und Reinhard Mechnig ins Leben gerufen, lockt sie jahrelang die Besucher an. Legendär die Spezialität, die es hier gibt: Dampfnudel und Bohnensuppe. Die Dampfnudeln von Gertrud Kohlmann zu Hause gebacken, die Suppe gemeinsam mit ihrem Mann Hans im großen Kessel   gekocht. Unvergessen bleibt Mechnig aber auch ein Missgeschick: Am Vorabend zubereitet, wird die Suppe über Nacht sauer. Ein Wetterumschwung ist schuld. Hungern müssen die Besucher der Sängerklause trotzdem nicht. Kurzerhand wird eine frische Suppe zubereitet.


Die Sängerklause gibt es seit Jahren nicht mehr. Neben Konzerten und kulturellen Veranstaltungen dient heute vor allem das Brunnenfest am ersten Sonntag im Juli und der Stand beim Weihnachtsmarkt auf dem Dorfplatz der Finanzierung der Ausgaben. Kreativ zeigen sich die Aktiven beider Chöre auch hier. So sorgen Spezialitäten wie Flammkuchen und ein Erzgebirgischer Blechstollen für Abwechslung auf der Speisekarte. Gesungen wird selbstverständlich ebenfalls. Ein zentraler Bestandteil des Programms am Weihnachtsmarktsonntag auf dem Dorfplatz.

 

 

Brunnenfest im Juli

 

 

Zum Brunnenfest am ersten Sonntag im Juli kommen alljährlich bis zu 500 Besucher auf den Dorfplatz. Bild: Emmerich

 

Mit dem Brunnenfest auf dem Dorfplatz etablieren die Chöre der SVG im Juli 2007 eine ganz besondere Veranstaltung im Kalender von Nieder-Liebersbach. Am ersten Sonntag im Juli laden sie befreundete Chöre ein, die rund um den Brunnen im Ortskern für musikalische Unterhaltung und gute Laune sorgen. Bis zu 500 Besucher finden sich zu diesem Open-Air-Festival des Chorgesangs ein.   


Ob Luftballonfliegen oder Malwettbewerb: Immer wieder gib tes auch attraktive Angebote für Kinder. Auch das gemeinsame Singen wird beim Brunnenfest großgeschrieben. Mehrmals gibt es dazu ein Volksliedersingen. 2007 vereinen sich Besucher und Chöre zu einer großen Chorgemeinschaft, die „Am Brunnen vor dem Tore“ erklingen lässt.


Zum zehnten Geburtstag der Veranstaltung, im Juli 2007, wagen die Chöre etwas Neues. Sie ordern einen Ausschankwagen und öffnen die rollende Theke bereits am Vorabend. Der Dämmerschoppen kommt trotz Regens bei den Gästen gut an.  Jetzt soll er zum festen Bestandteil der beliebten Veranstaltung werden. An jedem ersten Samstag und Sonntag im Juli.

 

 

Chöre auf Reisen

Paris, Prag, Straßburg, Vitznau: Immer wieder gehen die Chöre der SVG auf mehrtägige Reisen. Musikalische Gastspiele in Kirchen und Kathedralen sind dabei ein wichtiger Bestandteil. In Erinnerung bleibt vielen der Auftritt im Straßburger Münster (1982) und beim Gottesdienst im Bamberger Dom (1988). Mit der Chorgemeinschaft von Sonja Gedak reisen die Sängerinnen und Sänger 2000 auch in die Bundeshauptstadt Berlin. Der gemeinsame Auftritt unter der Kuppel des Reichstagsgebäudes mit mehreren hundert Sängerinnen und Sängern aus ganz Deutschland und aus Ungarn wird zu einem unvergesslichen Erlebnis.

 

 

Ein Schrank voller Pokale

 

Beim Singen geht es nicht in erster Linie um messbare Erfolge, doch auch die Chorleiter legen großen Wert auf Qualität und Leistung. Bei Wettbewerben und Wertungssingen erreichen die Sängerinnen und Sänger immer wieder Erfolge und Platzierungen. Eine ganzer Schrank voller Pokale kündet davon bis heute im Singzimmer im Alten Rathaus. Bestleistungen erzielen die Sänger unter anderem in Biblis (1986), Kortelshütte (1988), Unter-Flockenbach  und Hemsbach (1992). In die Geschichte geht das Wertungssingen in Aschbach (1982) ein. Unter 67 Chören sichert sich das SVG-Ensemble die Tagesbestleistung, den 1. Klassenpreis und den Dirigentenpreis.  

 

 

Blick in den Pokalschrank der Chöre. Foto: Emmerich

 

 

Wo der Spaß am Singen großgeschrieben wird

 

 

 

Auftritt des FUNtastiChors bei der Matinee im Bistro Toscana in Birkenau. Foto: Cornelia von Poser

 

Mit der neuen Dirigentin Sonja Gedak erfährt von 1998 an nicht nur der gemischte Chor Auftrieb. Um wieder mehr junge Menschen für den Gesang zu begeistern, starten Abteilungsleiter Karl Werner und die junge Chorleiterin Anfang 2003 das Projekt „Modern Singing“. Auf knallgelben Flyern und mit vielen persönlichen Einladungen werben die Intitiatoren um Sängerinnen und Sänger - mit Erfolg. Bereits zur ersten Probe am 14. Januar kommen mehr als 30 Interessenten. Neben einem Kanon üben sie einen Gospel und singen ihn nach einer guten halben Stunde bereits vierstimmig. Der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Einige der Männer und Frauen, die damals beginnen, sind bis heute dabei. 


Singen und Spaß haben, das ist von Anfang an das Motto des jungen Chores für Bergstraße und Odenwald, wie er sich auch nennt. Daraus entwickelt sich wenig später der Name des Chores. Weil der Spaß am Singen groß geschrieben wird, nennt er sich auf Vorschlag von Wolf Schmidt, Sänger im Tenor, FUNtastiCHOR. 2003 im Januar gestartet, hat der Chor bereits im Oktober seinen ersten großen Auftritt. Vor über 300 Zuhörern begeistern die Sängerinnen und Sänger unter anderem mit Dancing Queen von ABBA. Gemeinsam mit dem traditionellen gemischten Chor bilden sie einen rund 100 Aktive umfassenden Klangkörper. Nach diesem Konzert werden auch die letzten Zweifler davon überzeugt sein, dass die Gründung eines zweiten Chors der richtige Schritt war, hatte der SVG-Vorsitzende Friedrich Mischke zur Begrüßung erklärt. Er sollte Recht behalten. In den Folgejahren bringt der Chor immer wieder attraktive Konzerte auf die Bühne, zunächst noch unter der Leitung von Sonja Gedak, ehe dann 2007 die Musikpädagogin Ria Günther diese Aufgabe übernimmt. 


2013, zum zehnjährigen Bestehen, gestaltet der Chor ein Konzert „Best of“, mit den schönsten Hits aus einem Jahrzehnt. Präsentiert wird das Programm nicht nur im heimischen Dorfgemeinschaftshaus in Nieder-Liebersbach, sondern auch auf der Kulturbühne „Alte Druckerei“ in Weinheim. Weitere „Auswärtsspiele“ hat der Chor unter anderem mit Filmhits im Olympia-Kino in Leutershausen, mit einer Frühlingsmatinee im evangelischen Gemeindezentrum Birkenau und im Kunstpalast Rimbach. In diesem Jahr setzt der Chor ganz auf Musicals. Das Konzert im September 2018 soll ein Höhepunkt des SVG-Jubiläumsjahres werden.

 

 

 

Der FUNtastiChor beim Konzert im Oktober 2014. Foto: Gutschalk

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Aktiven des Mittwochschors und des FUNtastiChors beim Konzert 2010 in der Sporthalle. Foto: Nina Arnold

 

2010 feiern die SVG-Chöre das Jubiläum 30 Jahre gemischter Chor mit einem Konzert in der Sporthalle. Aus einer Familie sind dabei gleich drei Generationen aktiv: Großvater Hans Kohlmann, Vater Kurt Kohlmann und Sohn Florian Kohlmann).

 

(Bild: Mittwochschor_2015 vor dem Alten Rathaus, am Dorfbrunnen oder auf dem Dorfplatz)

 

2015 steht abermals ein Jubiläum an. 90 Jahre SVG-Chöre werden gefeiert. Der gemischte Chor (Bild) besteht seit nunmehr 35 Jahren. Foto: Emmerich

 

 

Kästen:

 

Dirigenten

1951 -  1964 Kurt Schmitt 

1965 Uli Rauch (Krankheitsvertretung)

1996 - 1969 Kurt Schmitt

1969 - 1974 Franz Bauer

1974 - 1978 Gerhard Lehmann

1978 - 1985 Gerold Engelhard

1985 - 1991 Manfred Bühler

1991 - 1998 Helmut Vorschütz

1998 - 2007 Sonja Gedak, später Kirsch

2007 - 2010 Melanie Ramos

Seit 2007 Ria Günther (FUNtastiCHOR)

Seit 2010 Ria Günther (Mittwochschor)

 

 

Abteilungsleiter 

1946 Christian Trautmann

1946 - 1947 Kurt Bergmann

1949 - 1952 Leonhard Dietrich

1951 - 1952 Lehrer Zywwidski 

1952 - 1954 Fritz Halblaub

1955 - 1956 Alois David sen.  

1956 - 1958 Jakob Dietrich sen.

1958 - 1966 Alois David sen.

1966 - 1973 Horst Stäckler

1973 - 1975 Hans Klos  

1975 - 1978 Hubert Pletsch

1978 - 1982 Dieter Winkler  

1982 - 1993 Reinhard Mechnig  

1993 - 1995 Dieter Winkler 

1995 - 2004 Karl Werner

2004 - 2005 Hans-Jürgen Emmerich 

2005 - 2010 Karl Werner 

2010 - 2015 Günter Widmann 

2015 - heute Monika Helfmann

 

 

Aktive im Jubiläumsjahr

(Stand Dezember 2017)

 

Mittwochschor

 

Barbara Becker

Renate Böhler

Heilwig Geipert

Ernst Habel

Helmut Helferich

Andrea Hermann

Margret Ihrig

Hildegard Knapp

Gertrud Kohlmann

Reinhard Mechnig

Christa Meyer

Irmi Mühlfeld

Renate Osswald

Mali Radtke

Anneliese Roggatz

Anneliese Schäfer

Heiner Schäfer

Monika Schmittinger

Horst Stäckler

Werner Stäckler

Brigitte Stephan

Hanni Werner

Karl Werner

Albert Wetzel

Brigitte Zaplatilek

Dieter Zaplatilek

 

 

FUNtastiChor

 

Vera Behse

Renate Böhler

Andrea Brehm

Sylvia Clauss

Claudia Dreier

Hans-Jürgen Emmerich

Hedwig Emmerich

Waltraud Florig

Evi Grynaeus

Peter Grynaeus

Silke Haid

Monika Helfmann

Gabriele Hoffmann

Anthony Hollingsworth

Alex Kauruff

Claudia Knapp

Dieter Köffer

Kurt Kohlmann

Günter Kramer

Ursula Kramer-Wagner

Hildegard Krüger

Isabella Maugeri

Nicole Maugeri

Nunzio Maugeri

Christine Röth-Birkle

Elke Stalf

Marion Weber

Martina Weber

Jens Werkmann

Hanni Werner

Karl Werner

Kathrin Zielonkowski

 

 

 

 

Gesangsabteilung der SVG Nieder-Liebersbach i. Odw.  |  info@svg-chöre.de